Samstag, 15. Oktober 2016

Geburtsbericht: Kind 1 - spontane Geburt

----------- Geburt ---------


Erstes Kind
spontane Geburt

Herbst 2009




Nach einer traumhaften Schwangerschaft hatten wir nur noch wenige Tage, bis unser erstes Kind zur Welt kommen sollte.
Was auf mich zukommt, das wusste ich nicht, denn eine Geburt kann niemand erklären und keine Geburt ist wie die andere. Ebenso ist es schwer, die Schmerzen zu erklären oder nachzufühlen, denn auch hier empfindet jede Frau, den Schmerz anders.


Bei meiner vorletzten Vorsorge Untersuchung, war alles bestens und nichts deutete auf eine Geburt hin. Wehen gab es kein, der Muttermund war verschlossen und der Gebärmutterhals, so wie er sein sollte. Doch 5 Tage später ging es plötzlich los. Freitag spät am Abend...
Der Schleimpfropfen löste sich am Tag zuvor. Freitags merkte ich, dass die Senkwehen stärker wurden, zumindest hielt ich sie dafür. In dieser Woche lag ich oft in der Badewanne, um festzustellen, ob es Senkwehen oder echte Wehen waren.

Freitagabend wurde es stärker und abends konnte ich nicht wirklich schlafen.
Ich stand noch einmal auf und hoffte, dass es wieder aufhören würde. Mit viel Mühe schaffte ich es, in der Nacht zumindest 7 Stunden zu schlafen. Es war bis zur Geburt auch das letzte Mal, dass ich schlaf bekam. Morgens um 8 weckte ich meinen Mann und brachte ihm so ruhig wie möglich bei, dass es nun wahrscheinlich so weit sei.
Es war ende der 38.ssw und wirklich damit gerechnet hatten wir nicht, aber traurig waren wir auch nicht, denn lange waren wir schon neugierig auf dieses kleine Wunder, dass in meinem Bauch heranwuchs. Ich versuchte mich im Bett zu entspannen, die Wehen kamen von Anfang an alle 5 Minuten und machten dass entspannen so gut wie unmöglich.

Wir versuchten es so lange wie möglich zu ziehen, bis wir dann das erste Mal ins Krankenhaus fuhren. Es war mittags, als wir das erste Mal in der Klinik in unserer Nähe aufschlugen, in die Klinik, die ich kannte, in der ich selbst zur Welt kam und von der ich wusste, wie man am schnellsten hinkommt.
Wir hatten nämlich komplett vergessen, uns in einer Klinik anzumelden und zu vergleichen.
Die Wehen waren zu schwach, der Muttermund geradeso geöffnet und die Hebamme direkt der Meinung, das dauert noch einige Stunden. Wir sollten wieder nach Hause fahren und wieder kommen, wenn es überhaupt nicht mehr geht. 

Als ich in der Badewanne saß, wusste ich, unser Kind will bei uns sein. Die schmerzen, die man mit Unterleibsschmerzen bei der Periode vergleichen kann, wurden nämlich stärker. Ich legte mich wieder ins Bett, mein Mann versuchte etwas zu essen zu machen und ich aß das letzte Mal etwas Richtiges. Ich entschied mich dazu, dass wir wieder ins Krankenhaus fahren, als es am späten Abend wirklich nicht anders ging. Ich konnte nicht schlafen, nicht laufen und wusste einfach nicht mehr, was ich tun kann. Da wir niemandem etwas sagen wollten, der dann plötzlich im Krankenhaus auftauchen kann, musste ich da auch alleine durch.
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Im Krankenhaus wurde wieder ein CTG gemacht, für zu leicht befunden und ein Arzt schaute nach dem Kind. Dem Kind ging es gut und der Muttermund war immer noch nicht bereit mitzuspielen.
Ich lief eine Stunde im Krankenhaus umher, wurde dann wieder ans CTG gehängt und sollte dann in ein Zimmer gebracht werden. Den Weg schaffte ich aber nicht mehr. Ich war fertig mit den Nerven. Ich heulte, knickte weg und wurde wieder in den Kreißsaal gebracht.
Auf dieser unbequemen Liege musste ich dann liegen, bis alles vorbei war.

Ich bekam Leck mich am Arsch tropfen und sollte etwas schlafen. Das gelang jedoch nicht.
Mein Mann versuchte mich abzulenken, rief immer mal wieder seine Mutter an, wenn er draußen war, und versuchte sich irgendwie wach zu halten. Es war schließlich mitten in der Nacht und nirgends konnte er sich hinlegen. Ich bekam mehrere Schichtwechsel mit, wurde immer mal wieder abgetastet, bekam das obligatorische Krankenhaus Frühstück. Was ich aber nicht wirklich zu mir nahm.. Keine der "Gerichte" ging runter..

Gegen Montag vormittag fuhr mein Mann dann zu meiner Mutter um sich dort hinzulegen, wenigstens einen Moment, um das Ganze durchstehen zu können. Für ihn stand mir meine Mama dann bei. Gegen 14 Uhr, nachdem ich endlich eine PDA bekommen hatte, platze die Fruchtblase, nachdem ich einmal richtig lachen konnte. Durch die Betäubung ab dem Bauchnabel abwärts lösten sich alle Muskeln und ein Pups. Darüber musste ich lachen, meine Mutter lachte mit und plötzlich merkte ich, wie meine Beine warm wurden. Ich hatte schon Angst, dass ich mich einpinkel, schließlich merkte ich ja nichts mehr. Als die Schwester kam, zog meine Mutter mir mit Ihr meine Hose aus und man Beruhigte mich mit den Worten, das es die Fruchtblase war.


Ich hatte nun die Hoffnung, dass es endlich losgeht und ich mit unserem Kind auf ein Zimmer komme, es einfach vorbei ist. Aber so war es nicht.
Ich hatte unterdessen immer noch keinen Schlaf gefunden, nichts wirklich getrunken und gegessen, denn dass Krankenhaus essen, war einfach eklig.
So fertig war ich noch nie. Ich merkte, wie die Kräfte schwanden, aber ich hatte noch einige Stunden vor mir. Der Muttermund hatte sich nur wenig geöffnet, laufen konnte ich nicht, dank PDA, schlafen aber auch nicht, obwohl ich ja so müde war.
Mama und mein Mann waren wirklich bemüht mich abzulenken, mir gut zuzureden und waren bis zum Schluss bei mir, aber auch sie konnten nicht verhindern, was noch auf mich zukommen sollte..

Abends bekam ich einen Katheder gelegt, da ich seit mehreren Stunden nicht mehr auf Toilette war.
Ich bekam plötzlich Durst, trank aber scheinbar zu schnell und übergab mich dann, was mir noch mehr zusetzte, da ich es einfach nicht ertrage. Ich muss wirklich selten kotzen, weil mein Körper sich komplett dagegen Wert. Mir gehts dann auch echt dreckig heute noch wie damals.

Als dass hinter mir lag, sagte die Hebamme, dass das ein Zeichen gewesen sein kann, dass es nun losgeht. Minimal hatte sie da auch recht, denn tatsächlich verstärkten sich die Wehen.
Ich hatte drei Stunden zuvor einen Dosierschalter für die PDA bekommen, da man es bei mir nachspritzen musste. Da niemand wusste, wie lange es mich dauert, ließ man es mich selbst dosieren.

Die Hebamme tastete den Muttermund ab, stellte fest, dass er sich endlich öffnete, und gab mir zu verstehen, dass ich nun jede Wehe mitnehmen soll. Lange kann es ja nun nicht mehr dauern.
Drei Stunden kämpfte ich dann tatsächlich damit, unser Kind zur Welt zu bringen.

Der Arzt stand an der Tür und schaute dämlich aus der Wäsche, obwohl ich laut meiner Mutter, eine Menge Blut verlor. Ich hatte keinerlei Kraft mehr, woher auch? 2 tage, kein Schlaf, kein richtiger Sauerstoff, keine Flüssigkeit und auch keine Nahrung.

Ich wusste nicht mehr, wie ich mich legen oder bewegen sollte, bekam kaum Luft und sollte doch immer wieder Atmen und drücken und Luft anhalten, dann wieder Luft holen und direkt nachdrücken. Mir wurde schon schwarz vor Augen, weil einfach kein Sauerstoff mehr ankam. Ich hätte am liebsten gesagt, sie soll selbst atmen und mich in ruhe lassen. Ich kämpfte, ich brüllte das Krankenhaus zusammen, verfluchte den Arzt, dass er mir nicht half und wollte einfach nur noch das es vorbei ist.
Diese Schmerzen waren einfach nur Horror.
Irgendwann kam er dann endlich raus, als Sternengucker mit der Hand im Gesicht.

"Ein Junge" 

23:58 Uhr
4130 g
51 cm

Meine Mutter sah als Erstes, was es ist. Er lag auf meiner Brust, ich wusste in dem Moment nicht, was ich als erstes Denken soll. Ich war eine Mami und so glücklich. Mein Mann verdrückte ein Tränchen und wollte, nachdem der Arzt dann salopp meinte, na der sieht ja nicht gesund aus, erst einmal dem Arzt an den Hals. 

Unser Junge war eine Weile nicht ganz mit Sauerstoff versorgt. Er stand mit mir extrem unter Stress, steckte im Geburtskanal und musste das alles erst einmal verarbeiten.
Sie brachten ihn zusammen mit Papa und Oma erst einmal in ein Wärmebett.

Der Arzt entsorgte die Nachgeburt und nähte dann eine Stunde an mir herum.
Ich erlitt einen Riss dritten Grades.

Hoher Scheidenriss, Schließmuskelriss, hoher Blutverlust.

Da ich immer wieder zuckte, wenn er die Nadel nutze, meckerte er rum. Ich kann doch nichts dafür, wenn ich es merke und die PDA zu schwach ist.
Ich steckte es weg und schwor mir, nie wieder dieser Arzt und dieses Krankenhaus!
Man merkte ihm einfach an, das er in wenigen Stunden Urlaub hatte.


Ich kam auf mein Zimmer, das ich zum Glück alleine bewohnte.
Mein Kind war nicht bei mir, meine Mutter und auch mein Mann auf dem Heimweg um endlich zu schlafen, schließlich war es 1 Uhr in der Nacht.
Ich konnte immer noch nicht schlafen, ich war total geflasht.
Ich war Mama!

Um 6 Uhr bekam ich meinen kleinen dann endlich aufs Zimmer, konnte in Knuddeln, bestaunen und den ersten Stillversuch unternehmen.

Meine schmerzen fingen im Laufe der Stunden danach an. Ich konnte nicht sitzen und kaum Laufen.. Jeder Toilettengang war einfach nur schlimm.
Ich hatte ein Rooming-in, was bedeutet das ich mein Baby rund um die Uhr bei mir hatte.
Ich genoss es auch.
Papa nahm sich für die Zeit, in der wir im Krankenhaus waren nicht extra frei, das war auch ok. Denn lieber sollte er bei uns sein, wenn wir zuhause sind. Urlaub bekam er nicht, da er neu in der Firma war und noch keinen großen Urlaubsanspruch hatte.

Er kam aber immer vor und nach der Arbeit und genoss es sehr.
Oma, Onkel und Opa ließen sich, auch direkt blicken und platzen fast vor stolz.

An diesem Abend wurde der kleine für Untersuchungen noch mal mitgenommen. Das war ok, denn ich wusste, ich wollte danach endlich mal schlafen...

Plötzlich kam eine neue Patientin ins Zimmer. Eine die ich kannte.
Eine Freundin meiner Mutter, die mich als Baby schon herumtrug und ihre Tochter, mit der ich aufwuchs. Verdacht auf Geburtsbeginn..
Es war schon witzig, das wir da zur gleichen Zeit lagen..
Allein der Blick, da niemand von der Schwangerschaft der anderen wusste.

In dieser Nacht gab es, endlich schlaf.. Es war ein Traum..

Nachdem meine Bettnachbarin dann wieder gehen durfte, da die kleine definitiv noch nicht auf die Welt kommen wollte, hatte ich das Zimmer wieder für mich alleine.
Oma kam auch immer, wenn sie konnte, sie wollte einfach viel Zeit mit Ihrem Enkel.

Die Heilung schritt gut voran, allerdings hatte ich gesamt gesehen, über ein Jahr Probleme damit.
Monatelang konnte ich nicht richtig sitzen, ich spürte die Muskel nicht, es war eine komplette Inkontinenz, was bedeutet, dass weder der Urin noch Stuhlgang, komplett gehalten werden konnten.
Niemand bereitete mich darauf vor, keiner gab mir Ratschläge.

Ich wurde wetterfühlig und an Geschlechtsverkehr war kaum bis gar nicht zu denken.
Nach 2 Jahren war es endlich wieder so, dass es nicht mehr hinderlich war.
Die PDA machte mir auch über zwei Jahre Probleme. Ich hatte einmal im Monat extreme Rückenprobleme, konnte kaum laufen, stehen oder unser Kind tragen..
Ich war so froh, als das endlich aufhörte.

Durch die Erlebnisse der Geburt und den Problemen danach kriselte es in unserer Beziehung.
Ich war genauso kraftlos wie er. Wir waren frische Eltern, zogen kurz nach der Geburt um, hatten einen neuen Alltag und mussten uns damit arrangieren, was mein Körper zuließ.
Die Nerven lagen blank, aber wir mussten da irgendwie durch.

Nach einem weiteren Umzug und nachdem mein Körper endlich wieder mir gehörte, auch wenn er nie wieder zu 100% funktionieren wird, fanden wir wieder zueinander.
Ich hatte lange Zeit Angst über ein zweites Kind nachzudenken.
Ich hatte Angst, dass es wieder so sein wird. Ich dachte nicht über einen Kaiserschnitt nach, da ich damit aufgewachsen bin, das der, nur in Notfällen gemacht wird.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.  

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Lg Manuela

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